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Interview mit Dr. med. Martina Haeck

Dr. med. Martina Haeck ist seit 1. Februar 2018 neue Chefärztin der Psychosomatischen Abteilung der Hochgebirgsklinik Davos. Der bisherige Leitende Arzt Dr. med. Felix Schwarzenbach wird als Co-Chefarzt weiterhin für die HGK tätig sein.

Die Hochgebirgsklinik hat sich entschieden, die Psychosomatische Abteilung auszubauen. Was hat Sie dazu bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen?

Hier in Davos, in dieser einzigartigen Umgebung, Patienten dabei zu begleiten, den Weg in die Gesundung zu finden, ist für mich eine attraktive Herausforderung. Dank dem vielfältigen Angebot unserer Klinik ist es möglich, jedem Patienten individuell zu begegnen. Es reizt mich besonders, dass das Konzept der Klinik den Raum bietet, meine eigenen Ideen einzubringen.

Welche Erfahrungen bringen Sie mit und was können Sie den Patienten speziell bieten?

Psychiatrie und Psychotherapie sind Bereiche der Medizin, die mich schon immer fasziniert haben. In der Psychosomatik wird die Brücke zwischen Körper und Seele geschlagen. Es ist der individuelle ganzheitliche Gedanke, der die Heilung bringen kann oder den Patienten erlernen lässt, mit einer einschränkenden Erkrankung den Weg zu einem guten Leben zu finden. Die Liebe zu meinem Beruf und zu den einzelnen Menschen, die sich unserer Klinik anvertrauen, tragen mich hierbei und sind der Anker meiner psychiatrischen/psychosomatischen Tätigkeit.

Was muss man sich genau unter Psychosomatik vorstellen?

Krankheiten haben immer mit Körper und Psyche zu tun. In der Psychosomatik möchten wir die Patienten einladen, auszuprobieren, ob neben den somatischen Behandlungen ein Blick von der „Psyche“ her helfen kann, gesund zu werden. Der Körper hat Selbstheilungskräfte, die wir unterstützen. Die Sprache des Körpers ist oft unklar und wir möchten Ihnen helfen, sie besser zu hören und zu verstehen.

Wie wichtig sehen Sie den Bereich der Psychosomatik im Zusammenhang mit den weiteren Spezialisierungen (Lunge, Haut, Allergien, Herz) der Hochgebirgsklinik?

Wir haben in unserer Klinik das Glück, die Spezialisten jederzeit hinzuziehen zu können. Es sind die kurzen Wege, die hier hilfreich sind. Wenn wir gemeinsam nach unseren Patienten schauen, bedeutet dies eine Bereicherung für jeden einzelnen Patienten. Für uns Fachleute selbst ist der Blick über den Tellerrand ein grosses Anliegen und befruchtet unsere Arbeit sehr. Diesbezüglich erlebe ich eine grosse Offenheit und deshalb freut es mich persönlich sehr, hier arbeiten zu können. So können wir als interdisziplinäres Team für das ganzheitliche Wohl jedes Menschen da sein.

Inwiefern bereichert eine psychosomatische Perspektive die Behandlung einer Haut- oder Lungenerkrankung?

Manchmal geht es bei unseren Patienten darum, das Leben mit einer Erkrankung zu gestalten. Dann gilt es eine Einstellung zu entwickeln, die eine gute Lebensqualität ermöglichst und dazu arbeiten wir in der Psychosomatik mit unterschiedlichsten therapeutischen Werkzeugen, die wir sehr individuell auf den einzelnen Menschen abstimmen - z.B. die Arbeit mit Inneren Bildern. Innere Bilder können helfen, den Körper besser zu verstehen, zur Ruhe zu kommen, etwas anders und mit mehr Distanz anzuschauen.

Was sind Ihre Ziele für die Hochgebirgsklinik Davos?

Ich möchte eine wirkungsvolle Behandlung für unsere Patienten und deren Angehörige anbieten, schnelle und kompetente Hilfe ohne Wartefrist. Dann, wenn die Not am grössten gespürt wird. Dies soll dann auch vielen Patienten die Möglichkeit bieten zu uns zu kommen, darum erweitern wir unsere Bettenzahl. Ausserdem soll eine optimale Palette an Behandlungsmöglichkeiten bereitstehen. Heute sind das Einzel- und Gruppentherapien, Physiotherapie, Massagen, Sport und Bewegung sowie Kunsttherapie.

Können in der Hochgebirgsklinik auch Burnout und andere stressbedingte Symptome behandelt werden?

Ja, sehr gut sogar. Wir erarbeiten mit den Patienten, wie sie in ihrem Leben wieder in einen gesunden Rhythmus von Arbeit und Freizeit finden, helfen Ihnen zu erkennen, was zum Burnout geführt hat, und geben praktische Übungen gegen einen Rückfall an die Hand. Bei jedem Menschen wird seine ganz persönliche Situation mit Kriterien wie Alter, Beruf und soziales Umfeld berücksichtigt. So finden wir, was er braucht, um wieder in seine Mitte zu kommen. Für eine Heilung gibt der Körper selbst die Signale, die man verstehen lernen kann.

Welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten sehen Sie für Patienten der Hochgebirgsklinik Davos?

Ein besonderes Anliegen ist es, nicht nur den Patienten alleine anzuschauen. Eine Erkrankung kann die gesamte Familie, das gesamte Umfeld des Patienten, betreffen. Wie lernen wir wieder eine Normalität zu leben, wenn es nach dem ersten Schrecken zu einem Luftholen kommt? In unserer Klinik haben wir - einzigartig in der Schweiz - die Möglichkeit, die gesamte Familie mit zu behandeln, um gemeinsam anzuschauen, wie neben der Erkrankung Raum für jeden bleiben kann und aus dem Miteinander ein Füreinander wird.

Haben Sie schon eine besondere Erfahrung in Davos machen können, die Sie mit unseren Lesern teilen möchten?

Ich möchte die Leser einladen, selbst nach Davos zu kommen, denn jeder entdeckt das Besondere von Davos auf seine Weise.