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Interview mit Dr. med. Thomas Spindler

Dr. med. Thomas Spindler wir ab Mitte April 2018 neuer Chefarzt der Abteilung für Kinder und Jugendliche der Hochgebirgsklinik Davos. Die bisherige Chefärztin Dipl. med. Ariane Kalweit verlässt nach knapp 4 Jahren Davos und wird sich einer neuen Herausforderung stellen.

In der chefärztlichen Leitung der Pädiatrie in der Hochgebirgsklinik gibt es einen personellen Wechsel. Was hat Sie dazu bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen?

Die Hochgebirgsklinik Davos hat einen überregionalen Ruf bei Erkrankungen der Atemwege und allergischen Erkrankungen. Dies sind meine Spezialgebiete und ich sehe die Chance, in Davos, aufbauend auf eine riesige vorhandene Erfahrung, diese Gebiete weiterzuentwickeln und neue Gebiete aufzubauen.

Welche Erfahrungen bringen Sie mit und was können Sie den Patienten speziell bieten?

Ich arbeite seit 20 Jahren im Bereich der Rehabilitationsmedizin und bin im Bereich der Lungenerkrankungen und Allergien spezialisiert. Desweiteren leite ich seit 10 Jahren eine spezialisierte Akutklinik und ein grosses allergologisch-pneumologisches Ambulatorium für Kinder und Jugendliche mit mehr als 2000 Patienten pro Jahr. Diese Erfahrung möchte ich einbringen und sowohl den Patienten als auch den KollegInnen aus Klinik und Praxis in der Schweiz zur Verfügung stellen. Im Bereich der Patientenschulungen blicke ich auf einen Erfahrungsschatz von mehr als 25 Jahren zurück und arbeite aktiv in den entsprechenden Fachgesellschaften auf Vorstandsebene mit.

Was muss man sich genau unter Pädiatrie vorstellen?

Die Pädiatrie beschreibt das Gesamtgebiet der nicht-operativen Kinder- und Jugendmedizin, also sozusagen das Gebiet der Inneren Medizin für Kinder und Jugendliche von 0 bis 18 Jahre. Es ist, wie auch andere medizinische Bereiche, in Spezialgebiete unterteilt. Hier liegen meine Schwerpunkte eindeutig in den Kernkompetenzen der Hochgebirgsklinik Davos, nämlich im Bereich der Allergien und Atemwegserkrankungen

Wie wichtig sehen Sie den Bereich der Pädiatrie im Zusammenhang mit den weiteren Spezialisierungen (Lunge, Haut, Allergien, Herz) der Hochgebirgsklinik Davos?

Wie bereits oben aufgeführt ist die Pädiatrie ein sogenanntes »Querschnittsfach». Die Spezialisierungen in den Bereichen Lunge, Haut, Allergien und Herz sind die Schwerpunkte der Pädiatrie an der HGK. Dies allerdings unter dem speziellen Blickwinkel eines Kinder- und Jugendarztes, der stets nicht nur den einzelnen Patienten, sondern immer auch sein familiäres Umfeld und seine Peergroup in Bezug auf Therapie und Krankheitsverständnis im Auge behalten muss. Dieser «systemische» Ansatz ist sicher sehr stark «pädiatriegeprägt» und das, was qualifizierte pädiatrische Rehabilitation ausmacht. Es erfordert ein starkes Team unter Einbindung der verschiedenen Berufsgruppen und natürlich der Kollegen aus den oben aufgeführten «Subspezialitäten» der Erwachsenenmedizin.

Was sind Ihre Ziele für die Hochgebirgsklinik Davos?

Weiterentwicklung einer modernen Rehabilitation für Kinder und Jugendliche in Davos in Zusammenarbeit mit einem hochmotivierten Team, hochqualifizierten KollegInnen und einer sehr gut unterstützenden Verwaltung. Mitarbeit im bereits vorhanden Schulungs- und Ausbildungszentrum CK-CARE (Christine Kühne - Center for Allergy Research and Education) sowie an den Forschungsprojekten des neu geplanten Campusgebäudes in das im Jahr 2019 das SIAF (Schweizer Instituts für Allergieforschung) einziehen wird. Zusätzlich, falls gewünscht, der Ausbau der bereits vorhandene ambulanten spezialisierten Versorgung atemwegs- und allergiekranker Kinder als Ergänzung und Angebot an die Kollegen der Region.

Welche Krankheitsbilder können aktuell in der Hochgebirgsklinik behandelt werden?

Wie gesagt: die Schwerpunkte liegen derzeit im Bereich der Allergien, Atemwegserkrankungen sowie neu im Bereich der Onkologie und Kardiologie in Zusammenarbeit mit spezialisierten universitären Zentren. Allerdings sollte im Bereich der Rehabilitation nicht so sehr das «Krankheitsbild» als solches im Fokus haben, sondern dessen Auswirkung auf die soziale Teilhabe des Patienten bzw. seiner Familie. Rehabilitation ist nicht isoliert orientiert an der «Diagnose» sondern immer an der Verbesserung der Teilhabe am Alltagsleben und an der Integration im häuslichen Umfeld. Es geht nicht, einfach gesagt, nur um die Verbesserung der Lungenfunktion, sondern um den Umgang des Patienten und seines sozialen Umfelds mit einer chronischen Erkrankung.

Welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten sehen Sie für Patienten der Hochgebirgsklinik Davos?

Die Stärke von Rehabilitation ist die Möglichkeit, in einem professionellen Umfeld den Patienten und ihren Familien einen geschützten «Erprobungsraum» im Umgang mit ihren Problemen zu bieten. Geschützt und begleitet durch ein multiprofessionelles Team. Hier spielt neben den klassischen Gebieten wie Pflege, Sport-und Physiotherapie oder Pädagogik natürlich die Zusammenarbeit mit den Psychotherapeuten eine zentrale Rolle. Diese Kompetenz ist in der HGK in hohem Masse vorhanden und sollte konstruktiv und gemeinsam weiterentwickelt und zum Wohle der Familien eingesetzt werden. Davos ist für Sie eine bisher unbekannte Region.

Was hat Sie dazu bewogen in die Berge zu kommen?

Ich lebe derzeit im Allgäu, also auch in den «Bergen» wenn auch für Schweizer Verhältnisse eher Hügel :-). Ausserdem ist Davos mir nicht so ganz unbekannt, da wir früher häufig zum Skifahren da waren. Aber hauptsächlich ist die HGK eine renommierte Klinik und somit ist die Leitung der Pädiatrie eine anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe. Nicht verhehlen möchte ich allerdings, dass ich begeisterter Mountainbiker, Rennradfahrer und Skilangläufer bin – und wo geht das besser als hier?

Haben Sie schon einen Lieblingsplatz in Davos gefunden, den Sie mit unseren Lesern teilen möchten?

Nein, das habe ich noch nicht. Das werde ich ganz sicher tun – wenn ich über meine Outdooraktivitäten einen solchen gefunden habe. Das dauert sicher nicht lange :-)