|
Die Anfänge asthmatischer Erkrankungen bei Jugendlichen und Erwachsenen können in der Regel bereits bis in das Kindes-, meist sogar Kleinkindesalter zurückverfolgt werden. Bereits während der ersten Lebensjahre eines atopischen Kindes werden Entstehung und Verlauf asthmatischer Erkrankungen wesentlich geprägt. Als langfristig verlaufentscheidende Lebensphase werden heute bereits das 1.-5. Lebensjahr angesehen. In dieser Phase können sich diagnostische und therapeutische Maßnahmen zur Prävention und Prophylaxe als höchst effizient erweisen.
Das Ausmaß bereits im Kleinst- und Kleinkindalter auftretender, häufig unbekannter, verdrängter oder vernachlässigter Atemwegssymptomatik ist überraschend und bedrohlich. Besonders bei Kleinkindern mit atopischem Ekzem - welche als besonders asthmagefährdet gelten - werden immer noch sehr lange Intervalle zwischen den ersten Atemwegsbeschwerden und erster diagnostischer Abklärung bzw. Therapiebeginn beobachtet. Durch frühzeitige Information und Schulung von Eltern sowie Kinderärzten könnten mit den heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten die Entwicklung eines fortgeschrittenen und sich chronifizierenden asthmatischen Atemleidens vermieden und die in diesem Alter erfahrungsgemäß noch bestehenden günstigen therapeutischen Beeinflussungsmöglichkeiten genutzt werden.
Asthma bronchiale Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Asthma behindert die körperliche und seelische Entwicklung des Kindes, verängstig in hohem Ausmaß die Eltern und Geschwister, greift gravierend in das Familienleben ein, begrenzt soziale Kontakte und beeinträchtigt die Schulbesuche und Berufsausbildung. Asthmamedikamente stören häufig den Schlaf und vermindern die Konzentrationsfähigkeit. Kindliches Asthma wird vorwiegend durch Allergene ausgelöst. Es ist nachgewiesen, dass Asthma durch die Allergenarmut im Hochgebirge von Davos hervorragend beeinflusst wird. Für den Krankheitsverlauf ist es wichtig, dass Asthma in frühen Krankheitsstadien behandelt wird.
  
Auch bei rechtzeitiger Diagnostik sowie angemessener und entsprechend den Richtlinien durchgeführter medikamentöser Therapie weist ein wechselnd hoher Anteil von Säuglingen und Kleinkindern, Schulkindern sowie Jugendlichen ein "schwierig zu behandelndes Asthma" auf, welches
- sich auch bei konsequenter Therapie als nicht kontrollierbar erweist
- bei altersentsprechend ausgeschöpfter Therapie einschließlich hochdosierter topischer Steroide wiederkehrende krankhafte Lungenfunktionswerte zeigt
- Hinweise auf ausgeprägte bronchiale Überempfindlichkeit aufweist
- mittelfristig zu Störungen der körperlichen und psychosozialen Entwicklung führt, zu verminderter schulischer und beruflicher Qualifikation sowie schließlich zu langfristiger und dauerhafter Einschränkung der Lebensqualität.
In besonders hohem Maße sind kindliche und jugendliche Patienten mit "schwierig zu behandelndem Asthma" auf besonders qualifizierte ganzheitliche Angebote unter optimalen klimatischen Rahmenbedingungen mit weitgehender Allergen-, Keim- u. Schadstoffarmut im Sinne klinisch-stationärer Krankenhausbehandlung bzw. Rehabilitationsmaßnahmen angewiesen.
Organwechsel Bei mehr als der Hälfte aller neurodermitischen Kinder erfolgt der Organwechsel mit Einbeziehung der Atemwege im Sinne eines Asthma bronchiale im Alter von 3-6 Jahren. Dies ist häufig verbunden mit einer fortschreitenden Ausdehnung des Allergenspektrums. Das allergische Asthma des Kindesalters gilt mit den heute zur Verfügung stehenden modernen Medikamenten zurecht als eine gut behandelbare, in ihrem Verlauf nachhaltig mit der Aussicht auf langfristig anhaltende Symptomfreiheit zu beeinflussende Erkrankung - wenn die ärztliche Intervention rechtzeitig und umfassend erfolgt. Die seit Jahrzehnten unablässig bemühte Aussicht auf Spontanremission zur Pubertät sollte heute nicht mehr dazu führen, wertvollste und für die langfristige Prognose endgültig verlorene Jahre in unberechtigter Passivität und Hoffnung zu verschenken. Frühintervention, Frühdiagnostik und rechtzeitige wirksame Therapie sind das Gebot der Stunde und erlauben allein Aussicht auf eine langfristig kausal beeinflusste günstige Prognose.
Atopische Dermatitis Nach der mit relativ hoher Spontanheilungstendenz aufwartenden Nahrungsmittelallergie des Kleinkindes imponiert vor allem vom 2.-5. Lebensjahr die atopische Dermatitis als erste eindrückliche, häufig dramatische und potentiell familienzerstörerische Organmanifestation. Die Leidenswege schwer neurodermitischer Kinder und ihrer Eltern durch Kliniken und Praxen, zu Handauflegern und Pendlern, in Stollen, Wüsten und Tote Meere sind deprimierend. Wenige Krankheitsbilder des Kindesalters erfordern so komplexe, anspruchsvolle und langwierige Interventionsstrategien wie gerade die atopische Dermatitis. Auch wenn die kausale Beeinflussung noch in weiter Ferne liegt, so sollten durch rechtzeitige Diagnostik mit entsprechender Karenz, verlaufsorientierte und individuell abgestimmte Therapiepläne sowie vor allem durch eine sichere und konsequente ärztliche Führung das Krankheitsbild massiv komplizierende, im Jugendalter oft dominierende psychosomatische Komponenten der Primärerkrankung vermieden werden können.
Obere Atemwege Die oberen Atemwege als Manifestationsorgan spielen gerade im Kindesalter des Atopikers eine herausragende Rolle. Die allergische Rhinitis, häufig als lästig, aber nicht ernst angesehen, erweist sich in ca. 40% als der Vorläufer des allergischen Asthma bronchiale. Die Indikationsstellung zur spezifischen Immuntherapie (SIT) ist in diesem Alter besonders verantwortlich, da sie einerseits nach neuen Studien einen asthmatischen Schutzeffekt aufweist, andererseits die klinische Aktualität in Allergietests nachgewiesener Allergene häufig schwierig zu beurteilen ist: ärztliche Kompetenz und Erfahrung haben in diesem Stadium des "Allergy-March" einen besonders hohen Stellenwert.
|