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Interview mit Dr. med. F. Schwarzenbach

Dr. med. Felix Schwarzenbach ist neuer Leiter der Psychosomatischen Abteilung der Hochgebirgsklinik Davos.

Dr. med. F. Schwarzenbach

Die Hochgebirgsklinik hat sich entschieden, die Psychosomatische Abteilung auszubauen und die Leitung einem Psychiater zu übertragen. Was hat Sie dazu bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen?

Ich wollte schon lange nochmals etwas Neues anpacken und wieder vermehrt mit Patienten und in einem Team arbeiten. Ich habe viele Ideen, die ich umsetzen möchte und sehen, ob sie den Patienten helfen und ins Konzept der Klinik passen. Als alter „Clavadeler“ habe ich auch immer davon geträumt, einmal an einer Klinik in Davos zu arbeiten.

Welche Erfahrungen bringen Sie mit und was können Sie den Patienten speziell bieten?

Psychiatrie und Psychotherapie sind ein faszinierender Teil der Medizin. Die Fortschritte in der Psychotherapie seit meiner Facharztausbildung sind enorm. Wir können heute sehr effizient und transparent unsere Patienten unterstützen, Lösungen für ihre Bedürfnisse und Anliegen zu finden. Ich habe bisher als Gutachter für Versicherungen, in der Kontrolle der Medikamentenwerbung und in meiner Praxis gearbeitet auch mit Paaren und Gruppen.

Was muss man sich genau unter Psychosomatik vorstellen?

Krankheiten haben immer mit Körper und Psyche zu tun. In der Psychosomatik möchten wir die Patienten einladen, auszuprobieren, ob neben den somatischen Behandlungen ein Blick von der „Psyche“ her helfen kann, gesund zu werden. Der Körper hat Selbstheilungskräfte, die wir unterstützen. Die Sprache des Körpers ist oft unklar und wir möchten Ihnen helfen, sie besser zu hören und zu verstehen.

Wie wichtig sehen Sie den Bereich der Psychosomatik im Zusammenhang mit den weiteren Spezialisierungen (Lunge, Haut, Allergien, Herz) der Hochgebirgsklinik?

Ich finde die Zusammenarbeit mit den somatischen Spezialisten und den Hausärzten herausfordernd und bereichernd. Ich habe grossen Respekt vor ihrem Wissen und Können und bin überzeugt, dass psychotherapeutisches und systemisches Denken einen Mehrwert für unsere Patienten schaffen kann. Mit anderen Worten: Wenn man die Psyche einbezieht, kann man wenig verlieren, aber unter Umständen viel gewinnen.

Inwiefern bereichert eine psychosomatische Perspektive die Behandlung einer Haut- oder Lungenerkrankung?

Innere Bilder und das Körpererleben beeinflussen uns Menschen. Wir können die Patienten begleiten in diese Welten und zum Beispiel in einer Gruppe innere Bilder in einer Art Rollenspiel sichtbar machen und testen, wie sich Veränderungen auswirken. Innere Bilder können helfen, den Körper besser zu verstehen, zur Ruhe zu kommen, etwas anders und mit mehr Distanz anzuschauen.

Was sind Ihre Ziele für die Hochgebirgsklinik?

Die Hochgebirgsklinik hat einen hervorragenden Ruf in den Bereichen Lunge, Haut, Allergien und Herz. Ich möchte darauf aufbauen und die bestehende grosse somatopsychische Kompetenz erweitern. Ich möchte auch weitere psychosomatische Behandlungen aufbauen, insbesondere für Stresserkrankungen und Trauer. Ein grosses Anliegen ist mir eine präzise Diagnostik und damit in schwierigen Situationen eine unabhängige, fundierte Zweitmeinung anzubieten.

Können in der Hochgebirgsklinik auch Burnout und andere stressbedingte Symptome behandelt werden?

Ich habe in meiner Praxis viele Führungskräfte, aber auch Menschen mit ganz anderen Berufen, erfolgreich behandelt und mit ihnen Lösungen gesucht, wie sie ihr Leben so umgestalten können, dass sie gut arbeiten, aber auch ihr Leben geniessen können. Das sind immer wieder überraschende, komplexe und herausfordernde Wege, die wir zusammen mit den Patienten, ihren Angehörigen und auch dem Arbeitgeber gehen.

Welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten sehen Sie für Patienten der Hochgebirgsklinik?

Ich habe mich auch aus persönlichen Erfahrungen intensiv mit Trauer beschäftigt. Trauer ist harte körperliche und seelische Arbeit. Es gibt bisher kaum Behandlungsangebote bei einer schweren Trauer, etwa wenn Eltern ein Kind verlieren. Trauernde haben oft vielfältige körperliche Beschwerden und sind erschöpft. Von daher ist eine psychosomatische Klinik ideal, um Zeit und auch Unterstützung zu haben für seine Trauer.

Davos ist für Sie keine unbekannte Region. Was verbindet Sie mit Davos?

Mein Vater war Verwalter in der Zürcher Höhenklinik Davos Clavadel. Ich bin in Davos in die Schule gegangen und für mich ist es eine wunderbare Chance wieder in meiner alten Heimat zu arbeiten. Ich bin regelmässig für Weiterbildungen in Davos und habe auch selber schon Kurse hier angeboten.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Davos, den Sie mit unseren Lesern teilen möchten?

Es gibt viele wunderschöne Plätze in Davos. Besonders liebe ich das Flüela Schwarzhorn, das Wildbodenseeli, den Wasserfall im Sertig mit dem Ducantal und den Übergängen nach Bergün oder Monstein. Auch die Zügenschlucht und Jenisberg mit ihren alten Sagen und dem Silberberg haben mich schon als Kind fasziniert.

Besten Dank für das Gespräch.

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